Über die Idee

Über die Idee

Im 16.-18. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff „Ballett“, ganz im Gegensatz zu heute, nicht nur eine Kunstgattung aus Musik und Tanz, sondern viel mehr eine gesamttheatralische Darbietung, deren Elemente Musik und Tanz, Gesang und gesprochenes Wort, gleichrangig nebeneinander existierten,  zum Teil sogar von ein und denselben Darstellern ausgeführt wurden, und auch Bühnenbild, Ausstattung und Kostüme einträchtig zur Verwirklichung der Idee eines Gesamtkunstwerks beitrugen.

In diesem Sinne verstehen wir auch unsere Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen für unsere Ballett-Projekte, welche in jährlichem Wechsel von Werkstatt-Aufführung und abendfüllender Ballett-Inszenierung entstehen und einer Öffentlichkeit vorgestellt werden, und deren Fundament das sog. „klassische“ Ballett und die „klassische“ Musik darstellen.  „Klassisch“ ist ja auch ein Synonym für „zeitlos“, „keiner kurzlebigen Mode unterworfen“, und verweist damit auf seine Orientierung an der griechischen und vorgriechischen Antike. In dem „Ballett“  - vom italienischen „ballare“ = tanzen, springen abgeleitet -,  erfuhr der humanistische Gedanke der Antike im Tanz der Renaissance seine Wiedergeburt:


Die Vereinigung des anmutigen Tanzens mit den verschiedensten Künsten hatte eine ästhetische, kulturelle und dadurch auch soziale Erziehung des Menschen zum Ziel, der sich auch die Tanzmeister des 17. und 18. Jahrhunderts verpflichtet sahen.  Daraus ist für das Ballett schließlich eine Trainingsform erwachsen, welche – in Umkehrung des Schillerschen Zitats vom „… Geist, der den Körper baut“ – über die ästhetische Bewegungsschulung auch erzieherischen Einfluss auf den Geist zu nehmen vermag. Als Konzentrat einer fundamentalen Bewegungslehre hat sie Jahrhunderte überlebt.  Dabei hat sie sich weiterentwickelt, ohne jedoch je ihre Prinzipien zu verraten. Das Ballett-Training ist und bleibt die Basis für einen jeden Tänzer.

Wesentlicher Bestandteil unseres pädagogischen Konzepts ist außerdem - in dem umfassenderen Sinne des Ballett-Begriffs -  neben der Vermittlung einer verantwortlichen Tanztechnik auch die regelmäßige Einbeziehung von Gedichten und Gesang, von Tanzperkussionen zur eigenen Begleitung und von Masken und Theaterfiguren, letztere in inhaltlichem Zusammenhang zu den Ballettproduktionen, bei denen oft auch professionelle Musiker mit Live-Musik gastieren. Zudem lassen getanzte Ausflüge in die Kulturgeschichte, z.B. internationale Volkstänze, auch "Charaktertänze" genannt, die in keinem der berühmten Ballette der Weltliteratur des 19. Jahrhunderts fehlen, Ursprünge und Einflüsse auf das Bewegungsvokabular des Klassischen Balletts lebendig erfahren. Die Einbeziehung der so genannten "Historischen/Höfischen Tänze" des 16.-18. Jahrhunderts bietet den Schülerinnen und Schülern auch eine neue, nämlich tänzerische Dimension von Musikstücken, welche sie aus ihrem Instrumentalunterricht häufig kennen, oder  in Konzerten hören.  Das Erlernen einer eigenen Tanzbegleitung mit Perkussionen wie Tambourinen, Kastagnetten, Schellen oder Stäben führt sie in die Zeiten zurück, als Tanz und Musik eine Einheit waren, und schulen zudem die rhythmische Bewegungspräzision.